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So sicher habe ich mich als langjähriger Premierengast im Schauspielhaus noch nie gefühlt.
Man kann Frau Einecke Klövekorn nur beipflichten „Das Theater wahrscheinlich die sichersten Orte der Welt sind “ In der Vergangenheit war man in der Erkältungszeit nie sicher ob man mit dem Sitznachbarn nicht nur das Theatervergnügen sondern auch die Schnupfenviren teilte, Ellbogenfreiheit zur Genüge und Platz für die Tasche obendrauf, so komfortabel habe ich in den letzten Jahren noch nie einem Theaterstück folgen können, wie bei den ersten Premieren im September 2020 (nach dem Lockdown) von Lenz und Shakespeare im Schauspielhaus. Stücke die man im übrigen nicht verpassen sollte, insbesondere für mich persönlich „Shakespeare alle Werke leicht gekürzt“ mit wundervollen Schauspielern und einer gelungenen Inszenierung 9. 2020 A.Bi.
Rückblick und Ausblick/2020-2021
Das Jahr 2020 wird als ein Katastrophenjahr im Gedächtnis bleiben das nachdrücklich dieGefährdung menschlicher Existenz ins allgemeine Bewusstsein gehoben hat. Die Mischung aus drastischen Umweltkatastrophen, politischen Beinah-Katastrophen und Corona-Pandemi konnte auch notorisch unverzagten Gemütern die gewohnte Ruhe rauben. Und obendrein werden wir derzeit offenbar nach und nach und Stück für Stück aus dem Paradies vertrieben, das wir von der Aufklärung geerbt haben: Allgemein anerkannte Gültigkeit von Fakten und Argumenten. Aber im Gegensatz zur biblischen Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies haben wir die Möglichkeit uns für die Rückkehr dieser paradiesischen Zustände einsetzen zu können. In unserer Demokratie ist niemand gezwungen, alternative Fakten für bare Münze zu nehmen; ebenso kann niemand gezwungen werden, die Konsequenzen exponentiellen Wachstums be der Entwicklung von Ansteckungszahlen zu begreifen. Die Ergebnisse des untauglichen Versuchs, dieses Verständnis auf dem Verordnungsweg zu erzwingen, können wir derzeit auf unseren Straßen bewundern: Heerscharen von Querdenkern, die stolz darauf sind, nichtsbegriffen zu haben. Ein wenig ratlos müssen wir konstatieren: Der Glaube, dass Argument der Vernunft quasi automatisch Gehör verschaffen, ist von gefährlicher Naivität. Als Freunde des Schauspiels wissen wir: Die List der Vernunft um sich Gehör zu verschaffen ist – die Kunst. Deswegen ist das Theater schon lange nicht mehr so wichtig gewesen wie jetzt. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass eine politisch Verantwortliche für Pflege un Förderung unserer kulturellen Institutionen Theaterbesuche grundsätzlich als ein persönliches Hobby gehobener Freizeitgestaltung gewertet wissen will. Die Theater wurden ohne großes Bedauern, gemeinsam mit entbehrlichen Dienstleistungen wie Saunen und Fitness-Zentren geschlossen. Man muss kein Prophet sein um ahnen zu können, dass Schauspiel und Oper schwierige Jahre vor sich haben. Die öffentlichen Kassen werden leer sein und der Zwang zur Sparsamkeit wird unerbittlich sein. Die Freunde des Schauspiels werden um den Erhalt des Theaters kämpfen müssen. Die Meisterung dieser Herausforderung war der Startschuss für unsere Gesellschaft – wir werden sie erneut zu bestehen haben. Konrad Lang/Vors. FdS
Zur Erinnerung an den früheren Bundesminister Norbert Blüm
Es war an einem Nachmittag im Herbst 2009, als ich im Garten des Schaumburger Hofes zufällig Norbert Blüm sah, wie er gerade fröhlich sein VW-Cabrio besteigen wollte, und ich ihn fragte, ob er bereit wäre, bei der nächstjährigen Verleihung des Bonner Theaterpreises die Festrede zu halten. Er zeigte sich interessiert und sagte nach einem Telefonat in den folgenden Tagen fest zu. So kam es, dass Norbert Blüm in der Matinee am 4. Juli 2010 in den Kammerspielen seine viel beachtete Rede mit dem Lob des Berufs und der Stellung des Schauspielers und damit des Sprechtheaters hielt. Er betonte geschmückt mit vielen Zitaten die Bedeutung des Wortes, das auch ein Element der Demokratie und des friedlichen gesellschaftlichen Umgangs ist. Und an die Schauspieler gewandt rief er aus: „Sie haben den schönsten Beruf, in ihm schwingt auch heute noch das Wort Berufung mit. Zu allererst verteilte der liebe Gott das Talent zum Spielen. So hat das Theater auch was Gottgefälliges“. Norbert Blüm wurde Mitglied des Kuratoriums der Freunde der Kammerspiele. Man konnte ihm noch oft als Besucher des Schauspiels begegnen. Kurt P. Tudyka
Theaterpreisverleihung 2010 Foto-Thilo Beu
Theaterpreisverleihung 2010 Begrüßung-
Dr. Konrad Lang – Kulturschock Ga
Bonn. Konrad Lang: Unternehmer, Komponist und Kopf der Schauspielfreunde.
Premieren-Feier
Endlich gibt es wieder eine Premieren-Feier, die diesen Namen verdient – und die Freunde des Schauspiels Bonn tragen zum Gelingen der Feier durch eine Geste der Anerkennung und Zuneigung bei, die schon beim ersten Mal zur Tradition wurde: Jedem Mitwirkenden, einschließlich Hospitanten und Assistenten, überreicht ein Mitglied des Vorstands eine Rose. Anlässlich von 14 Premieren-Feiern wird der Vorstand mit dem Ende der Saison voraussichtlich ca. 364 Rosen überreicht haben.Konrad Lang
Kantinenprojekt
Der Kantinenbetrieb der Kammerspiele für die Mitarbeiter des Hauses wurde vom Pächter vor einem Jahr wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit aufgegeben. Im Laufe der Zeit wurde das ein sehr fühlbarer Verlust. Es fehlte der informelle Treffpunkt vor der Vorstellung, nach der Vorstellung und nach den Proben. Hier halfen die Freunde der Kammerspiele. Auf Initiative des Vorsitzenden formierte sich ein Team von (bislang) 17 ehrenamtlich wirkenden Hilfswilligen, die den Kantinen-Betrieb übernahmen. Im Monat Juni läuft der Probe-Betrieb zum Erfahrung sammeln – und siehe da, entgegen eher pessimistischen Prognosen läuft er sehr gut. Die Atmosphäre ist erfreulich und aufmunternd, man lernt sich näher kennen – eine Art Stammgastverhalten etabliert sich. Die Mitglieder des Kantinenteams werden im September den ehrenamtlichen Kantinenbetrieb für die neue Saison fortführen. Konrad Lang
Eine Kritik der Kritik Anmerkungen zur Aufführung von „Unterleuten“ in den Kammerspielen
Die positive Aufnahme des Abends durch Premieren-Publikum und General-Anzeiger wurde durch die überregionale Kritik (Michael Laages im Deutschlandfunk Kultur, Dorothea Marcus im Deutschlandfunk, Gerrit Stratmann in WDR 3 Mosaik, Ulrike Gondorf in WDR 5 Scala) keineswegs geteilt. Stratmann berichtet immerhin, einen „markanten Abend“ erlebt zu haben und Dorothea Marcus befindet „Die Essenz von Juli Zehs Bestseller „Unterleuten“ in Theaterbilder zu fassen: Das ist Regisseur Jan Neumann gelungen.“ Doch der Grundton der Ausführungen von beiden bleibt der Zweifel; in ihren Augen kann der Abend letztlich nicht überzeugen. Laages und Gondorf hingegen holen zu einer Fundamental-Kritik aus, die fast kein gutes Haar an der Aufführung lässt. Der Bericht zum Interview von Laages im Deutschlandfunk setzt mit seiner Titel-Frage ein ganz besonderes Ausrufezeichen: „ Max Moor – kann der wirklich spielen?“ weiter
„Alle gegen einen“ in der Arena des Kommunismus
Sartres DIE SCHMUTZIGEN HÄNDE in den Kammerspielen
Glitzerreste schmücken als letzte Spur einer Revolte den Boden der Bühne, als die Darsteller ihren Applaus entgegennehmen. Mit Sartres DIE SCHMUTZIGEN HÄNDE, oder im französischen Original „Les mains sales“, präsentiert das Theater Bonn einen weiteren Klassiker in den Kammerspielen in Bad Godesberg. Die Inszenierung feierte am Donnerstag, 22. Februar, Premiere.
Das Drama des französischen Philosophen wurde 1948 uraufgeführt. Die Handlung spielt, wahrscheinlich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, im fiktiven Land Illyrien in Osteuropa. In dessen Mittelpunkt steht Hugo, ein junger Anarchist und Intellektueller. Zu Beginn der Erzählung wird er aus dem Gefängnis entlassen, da er Hoederer, ein Führungsmitglied der kommunistischen Partei, der allerdings bei dieser in Ungnade gefallen war, zwei Jahre zuvor ermordete. Um wieder in seine Partei aufgenommen zu werden, für die er schließlich den Mord begangen hat, erzählt er den Mitgliedern der Partei (Olga, Louis, Slick und George) den Verlauf der Tat aus seiner Perspektive. Der Hauptteil des Stückes besteht demnach aus Rückblenden: Bruchstücken von Hugos Vergangenheit. Eine Vergangenheit in der er hin- und hergerissen war zwischen der Liebe zu seiner Frau Jessica und dem Wunsch, zu einer Partei zu gehören, für die er niemals gut genug sein konnte. Ein Wunsch aus politischer Überzeugung und persönlichem Patriotismus, für den der junge Revolutionär bereit war, sämtliche Grenzen zu überschreiten. Um „dazu gehören zu können“ ist er bereit sich zugleich von allem überzeugen zu lassen – bis er selbst vor einem Menschenleben keinen Halt mehr macht,weiter
Erhalt versus Neubau
Ich bin ich grundsätzlich für den Erhalt des traditionellen Stadtbildes. Dafür gibt es viele immaterielle Gründe, – identifikatorische, historische, bau- und kulturgeschichtliche, biographische, ästhetische -, die ich jetzt nicht ausführen will. Bekanntlich hat gerade dieses Land zu unseren Lebzeiten zwei Zerstörungen seiner Bausubstanz erlitten, durch die Bombardierung und durch den sogenannten Wiederaufbau. Und Alt-Godesberg wurde zwar nicht bombardiert und trotzdem zerstört. Fast alle Neubauten nach 1945 folgten einer funktionalistischen Denkweise, – es wurde von Innen nach Außen gebaut, die Außenarchitektur war nicht mehr als nur notwendige Fassade. Das bezeugen zahllose Stadtbilder, auch das vom Zentrum Bad Godesbergs. Gewiss gibt es auch Ausnahmen, dazu gehört das Gebäude der Bonner Oper und die Vorderfassade der Kammerspiele auf dem im Großen und Ganzen sterilen Theaterplatz, weiter
Weniger Nostalgie – offener für Visionen für die Kultur in Bonn!
Der GA berichtet am 1.12. über die Diskussion mit dem „Verein Bürger. Bad Godesberg“ zur Zukunft der Stadthalle mit der Schlagzeile: „Pächter empfiehlt den Abriss“. Die Beiträge des Podiums sind eher nostalgisch. Der Denkmalpfleger bezeichnet die Stadthalle als „luftig leichte Erlebnislandschaft“. Die 7 Vertreter der Parteien sind mehrheitlich gegen etwas Neues. Schade! Als 2005/6 die Schließung der Kammerspiele drohte, war ich bei der erfolgreichen Unterschriftenaktion dabei, auch bei der Gründung der „Freunde der Kammerspiele“ und 10 Jahre lang im Vorstand Schatzmeister. Seit 2007 bin ich „Sachkundiger Bürger“ im Kulturausschuss der Stadt Bonn. Seit mehr als einem Jahr wird die Instandsetzung (nicht Sanierung!) von Oper, Kammerspiele und Halle Beuel beraten. Die Schätzung der von der Stadt beauftragten „Theapro“ belaufen sich auf bis zu 150 Mio. € – je nach Ausführung im laufenden Betrieb über 8-10 Jahre oder zeitweilige Ersatzspielstätten. Angesichts der hohen Kosten hat der Stadtrat am 9.11.2017 mit den Stimmen der CDU, der FDP und der SPD ergänzend einen Prüfauftrag erteilt, bis Ende Juni 2018 Handlungsalternativen vorzulegen: weiter